Hai schluckt Kinder
Von Kai Kottenstede und
Florian Neuhann
35 Stufen, hellbraun bezogen, und nach unten wird's immer breiter. An der
Seite eine geschwungenes, hölzernes Geländer, in der Mitte ein kurzer Absatz zum
Verweilen, zum Blick auf Plenarsaal und Foyer: Doch die architektonische Schönheit haben
die meisten wohl gar nicht bemerkt.
"Ooahh", entfuhr es einer Mitarbeiterin des
Bundestags. Wie eine Welle schwappten die ersten Besucher des Bundestags in das Foyer des
deutschen Parlaments - ein Ort, der bis dato dem gemeinen Volk vorenthalten war. Schon
vorher hatte sich eine große Menge Neugieriger an den großen Glaswänden des
Bundeshauses die Nase platt gedrückt.
672 Abgeordnete waren
es in den Sitzungswochen, dazu kam die Presse, die Bediensteten, Referenten. Aber an
diesem, dem letzten Tag? Es herrschte die Atmosphäre eines großen Familienfestes.
Angeblich sollen es 70 000 gewesen sein, schätzt ein Mitarbeiter der
Bundestags-Verwaltung, Abteilung Öffentlichkeitarbeit. Finito, Schluß für Bonn als
Regierungsstadt - dafür dürfen sich die Besucher mal auf Schröders Sessel flezen und
einem Vortrag von Alfred Grosser lauschen. Doch nur wenige kommen in den Genuß der
exquisit besetzten Diskussionsrunden.
"Wir feiern, und doch ist es kein Grund zu
feiern", bringt Projektleiterin Dr. Ines Mockhaupt das mittlerweile alltägliche
Bonner Dilemma auf den Punkt. Doch gerade auf ihre Arbeitsstelle, ihre Kollegen in der
Öffentlichkeitsarbeit des Bundestags, trifft diese Aussage zu: "Nur die Hälfte von
uns geht nach Berlin. Der Rest arbeitet noch ein Jahr hier in Bonn, und das ist
Schluß."
Auf dem Gelände des
Bundeshauses und des Wasserwerkes, am Rheinufer und auf der Görresstraße zeigen
zahlreiche Aussteller ihre Stellwände vor. Schöller und die Telekom sind genauso dabei
wie die Folkrocker "Le Clou" oder die Haifisch-Hüpfburg, die am laufenden Meter
kleine Kinder verschluckt. Große Plüschelefanten laufen über das Gelände. Wie aus dem
Nichts schleichen drei Männer hintereinander durch das Foyer des Bundestages. Der Erste
schwarz, der Zweite rot, der dritte ...
|